|
|
Ein Gefühl von "Déjà-vu"
Ich verließ die Taverne in Minoc, wo ich mich am Tag zuvor ausgeloggt hatte, mit der Absicht, wieder einige Bögen herzustellen und zu verkaufen. Frohen Mutes durchquerte ich den Ort, um mich in den Wald im Süden zu begeben, wo ich bislang immer recht erfolgreich Holz gefällt hatte. Ich ahnte noch nicht, daß sich jener Tag als eine schwere Prüfung meiner Geduld erweisen würde...
Das Unheil nahm schon nach vergleichsweise kurzer Zeit seinen Lauf. In meinen bewährten Holzgründen angelangt, machte ich mich gleich ans Werk und hatte auch schon einiges Holz in meinem Rucksack, da erhielt ich plötzlich aus heiterem Himmel die Meldung: "Connection lost". Ich war einigermaßen verblüfft - hatte ich doch bis zu diesem Moment fast kein Lag gehabt. Üblicherweise ging einem Verbindungsverlust zum Server aber immer starker Lag voraus.
Zähneknirschend versuchte ich die Verbindung zum Server wieder herzustellen, was mir aber zunächst nicht gelang. Chesapeake, der von mir benutzte Server, tauchte nämlich gar nicht mehr in der Auswahlliste aktiver Server auf. Offenbar hing mein Rauswurf also mit einem Problem beim Server zusammen und war nicht auf eine schlechte Verbindung zurückzuführen. Das erklärte natürlich auch, weshalb die Verbindung abbrach, obwohl sie eigentlich recht flüssig gewesen war.
|
|
Irgendwann ging Chesapeake endlich wieder online, und ich loggte mich erneut ein. Zu meiner Überraschung fand ich mich jedoch nicht an der Stelle wieder, wo ich mich befunden hatte, als die Verbindung abgebrochen worden war. Statt dessen stand ich nahe bei Minoc im Wald, an einer Stelle, wo ich vorübergekommen war, als ich vorher zu meinen üblichen Holzgründen ging. Offenbar war eine gewissen Zeitspanne in der Spielwelt durch den Servercrash verloren gegangen und mein Charakter war sozusagen ein Stück weit in seine Vergangenheit katapultiert worden. Das war für mich natürlich insofern ärgerlich, als daß mein bereits gefälltes Holz nicht mehr in meinem Rucksack war - ich hatte es durch den Zeitsprung ja gewissermaßen noch gar nicht gefällt.
Wohl oder übel mußte ich also die ganze Arbeit von vorne beginnen. Über eine halbe Stunde lang rackerte ich mich ab. Schließlich hatte ich so viel Holz in meinem Rucksack, wie ich gerade noch tragen konnte. Nun ging ich zurück in die Stadt, verarbeitete das Holz zu Bögen und Armbrüsten - ich war mittlerweile schon recht gut darin geworden und hatte nun seltener Fehlversuche - und verkaufte diese. Dann sah ich im ICQ, daß ein Bekannter von mir, den ich schon seit einer Weile sprechen wollte, online war. Ich ging also zurück zur Taverne und verließ dort das Spiel, um eine Weile mit ihm zu chatten.
Nur wenig später erhielt ich von einem meiner Gildenfreunde die Nachricht, daß Chesapeake schon wieder offline gegangen sei. Gut, daß ich rechtzeitig ausgeloggt hatte!
|
|