Minoc aus zunächst die Straße entlang, die gen Süden führte. An der nächsten Kreuzung wollten wir dann nach Osten Richtung Vesper abbiegen.

Der Weg war ein gutes Stück länger als die östliche Strecke, zudem wand sich die Straße in zahlreichen Kurven durch dichten Wald. Rince erzählte Schauergeschichten über Wegelagerer, welche hier zahlreich anzutreffen seien. Das trug natürlich nicht gerade zu meiner Beruhigung bei. :-) Man bedenke, daß ich zu der Zeit weder Waffen noch eine Rüstung besaß und vom Kampf sowieso noch keine Ahnung hatte. Und ich trug nicht eben wenig Gold bei mir, die Früchte langer Arbeit!

Wir waren schon eine Weile unterwegs, da kam uns auf der Straße plötzlich der Geist eines kürzlich verstorbenen Spielercharakters entgegen! Angesichts dieser "Erscheinung" mußten wir befürchten, daß voraus tatsächlich Wegelagerer lauern könnten, oder zumindest eine nicht näher bekannte Gefahr. Wir schlugen uns daher seitlich des Weges in die Büsche, um Vesper, das nach unseren Berechnungen bereits östlich von uns liegen mußte, querfeldein zu erreichen. Und wirklich, nach kurzer Zeit verließen wir den Wald bereits und standen am Friedhof von Vesper.

Vesper war eine Hafenstadt am Meer, die auf zahlreichen kleinen Inseln im Mündungsdelta des von Minoc kommenden Flusses erbaut war. Diese Inseln waren mit Dutzenden von      

Brücken und Stegen untereinander verbunden. Man könnte sagen, Vesper war so etwas wie das Venedig Britannas. :-) Bei meinen vorherigen Besuchen war ich immer nur bis zur Bank gegangen, die gleich am Stadtrand lag, wenn man über die Straße am Fluß von Minoc her kam. Deshalb hatte ich noch gar nicht wirklich realisiert, um wieviel größer Vesper im Gegensatz zu Minoc war. Neugierig sah ich mich um, während ich Rincewind folgte, der sich hier recht gut auskannte.

Er führte mich zu einem Schneider, wo ich eine lange Hose, einen Umhang und eine Weste erstand. Dann färbte er mir meine Kleidungsstücke in Braun- und Grüntönen ein, ähnlich den seinen. Durch diese Farbgebung fällt man im Wald weniger auf - ein Vorteil, der nicht zu verachten war, wie ich später noch sehen sollte...

Wir gingen nun weiter zum nördlichen Stadtrand, wo ich mein Gold bei der Bank abgeben wollte. Als wir auf dem großen Platz vor der Bank ankamen, erspähten wir zu meinem Entsetzen einen großen, geflügelten Dämon, der sich mit langsamen Schlägen seiner mächtigen Schwingen über den Köpfen der Menschen hielt! Erst als keiner der anderen Spieler Anzeichen von Panik zeigte oder das Monster angriff, erkannte ich zu meiner Verblüffung, daß es sich um einen "zahmen" Dämonen handeln mußte, der zum Gefolge eines Spielers gehörte. Welch ein mächtiger Krieger oder Magier mußte es sein, der es verstand, ein solches Monstrum seinem Willen zu unterwerfen!

zurückblättern zum Inhaltsverzeichnis dieses Tagebuch schließen über dieses Tagebuch vorblättern